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Themen

Der Baustoff Ziegel ist klarer Marktführer im Wohnungsbau – ob in der Wand oder auf dem Dach. Im Jahr 2018 wurden rund 30 Prozent aller Wohngebäude mit Mauerziegeln errichtet. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern alleine fällt der Anteil mit 34,2 Prozent sogar noch deutlich höher aus. Außerdem entfallen in Deutschland rund 90 Prozent der etwa drei Milliarden Quadratmeter Dachfläche auf Steildachkonstruktionen. Diese sind zu rund zwei Dritteln mit Dachziegeln gedeckt. Jährlich werden ca. 600 Mio. Dachziegel und 7,4 Millionen Kubikmeter Mauerziegel produziert.

Als Ziegelindustrie unterstützen wir die vorgesehenen Maßnahmen der Bundesregierung und setzen uns in diversen Netzwerken für die Umsetzung ein, etwa im Verbändebündnis „Impulse für den Wohnungsbau“. Dennoch bleibt die Frage nach einer auskömmlichen Finanzausstattung bei jedem der Vorhaben noch zu klären. Bislang sind deutlich zu wenig Finanzmittel vorgesehen, um spürbare Anreize in der Wohnungsbaupolitik zu schaffen. Gerade bei der energetischen Sanierung hätten wir uns deutlich mehr gewünscht. Dachsanierung und Ersatzneubau sind zentrale Maßnahmen, um die enormen energetischen Potenziale im Gebäudebestand auszuschöpfen. Wenn es die Bundesregierung mit den Klimazielen im Gebäudesektor ernst meint, müssen hier unverzüglich die richtigen Weichen gestellt werden.

Zentral für die Schaffung von ausreichend Wohnraum ist nicht zuletzt mit Blick auf die erheblichen Kapazitätsengpässe bei den Verabeitern ein positives Investitionsklima und zusätzlicher Personalaufbau in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Hierfür müssen die richtigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

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Seit 2015 diskutieren Politik und Verbände intensiv über eine Änderung der TA Luft. Ein im April 2017 vorgelegter Referentenentwurf konnte zwar vor der Bundestagswahl nicht mehr verabschiedet werden, wird aber vermutlich kurzfristig wieder aufgelegt werden. Diese letzte Fassung beinhaltet nicht zuletzt auf Drängen des Bundesverbandes erhebliche Verbesserungen gegenüber allen Vorläufern. Vor allem die ursprünglich vorgesehene jährliche Messverpflichtung scheint vom Tisch, demnach soll es beim dreijährigen Messrhythmus bleiben. Bei der anstehenden Neuauflage des Entwurfs wird es nun darum gehen, unsere allgemeinen Kritikpunkte, etwa zur Aufrechterhaltung der Bagatellmassenströme, erneut klar zu artikulieren.

Ressourceneffizienz und Recycling zeichnen die Unternehmen der Ziegelindustrie aus. Altziegel sind heute bereits gesuchter Wertstoff und werden zu Produkten wie Substraten für die Dachbegrünung, Schotterrasen, GaLaBau-Erden, RC-Baustoffe für den Wegebau oder Gesteinskörnungen für den Tennendeckenbau weiterverarbeitet. Vor diesem Hintergrund beteiligt sich die Branche an diversen Forschungsprojekten, etwa an einer Untersuchung des Umweltbundesamtes zur „Kartierung des anthropogenen Lagers“. Hiermit soll ein systematischer Beitrag zur Fortentwicklung der Kreislaufwirtschaft zu einer ressourcenschonenden Stoffstromwirtschaft geleistet und die Verwendung des Rezyklateinsatzes in der Produktion erhöht werden.

Ressourceneffizienz zeichnet die Ziegelindustrie aus.

Das Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau (BNK) wird derzeit überarbeitet und an die aktuellen Anforderungen der Baupraxis angepasst. Insbesondere die Themen „Innenraumlufthygiene“, „Schadstoffemissionen“, „Rückbau und Demontagefreundlichkeit“ sowie „Widerstandsfähigkeit gegen Naturgefahren“ sollen weiterentwickelt werden. Dazu wurden basierend auf den bisherigen Forschungsergebnissen sowie den Resultaten eines Expertenworkshops neue Kriterienentwürfe entwickelt. Die Ziegelindustrie beteiligt sich intensiv an der Überarbeitung und bringt auch eigene Projekte in die anschließende Pilotphase ein.

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© Ziegelwerk Klosterbeuren Ludwig Leinsing GmbH & Co KG
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© Ziegelwerk Blomesche Wildnis
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© Ziegelwerk Bellenberg Wiest GmbH & Co. KG
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Im Ergebnis dürfte die Ziegelindustrie bei dem 80-Prozent-Szenario weiterhin Erdgas im Brennprozess einsetzen, bei dem 95-Prozent-Szenario müsste dieses hingegen durch CO2-neutrale Energieträger ersetzt werden. Im Gebäudebestand müsste die Sanierungsquote von heute lediglich einem Prozent kurzfristig auf 1,7 bis 1,9 Prozent jährlich erhöht werden. Auch ein Blick auf die Kostenentwicklung zeigt, wohin rein politisch geführte Zieldebatten führen können.

Schon beim 80-Prozent-Ziel würden Mehrinvestitionen in Höhe von insgesamt mindestens 1,5 Billionen Euro (ohne Einspareffekte etwa durch niedrigere Energieimporte) erforderlich werden. Beim 95-Prozent- Ziel wären es mindestens 2,3 Billionen Euro. Letzteres setzt unter anderem einen Emissionshandel der gesamten G20-Staaten sowie einen flächendeckenden Einsatz von CO2-Abscheidung und Speicherung bzw. Verwertung (CCS und CCU) voraus. Von beiden Punkten sind wir heute aus unterschiedlichen Gründen noch weit entfernt.

© Hörl & Hartmann Ziegeltechnik GmbH & Co. KG
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Nationale Alleingänge sind und bleiben in der Klimapolitik kontraproduktiv.

Neben den Klimaschutzzielen wird heute intensiv über (nationale) CO2-Mindestpreise für Energieträger diskutiert. Damit würden in Deutschland vor allem die Stein- und Braunkohlekapazitäten zunehmend aus dem Markt gedrängt werden, was zu weiter steigenden Energiekosten führen würde. Aufgrund der heute schon enormen Kostenbelastung durch Klima- und Energieabgaben lehnen die energieintensiven Industrien einschließlich der Ziegelindustrie solche zusätzlichen Instrumente ab. Die Einführung eines CO2-Preises für alle G20-Staaten könnte hingegen ein sinnvoller Schritt sein, um international vergleichbare Bedingungen zu schaffen. Nationale Alleingänge sind und bleiben in der Klimapolitik kontraproduktiv.

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© Keller HCW Entladung/Verpackung bei Röben Tonbaustoffe GmbH/Werk Brüggen