Dachziegel

Arten, Farben und Formen.

Dächer, die über uns wachen

Dachziegel werden aus heimischen Tonrohstoffen hergestellt und gebrannt. So entsteht ein langlebiger und widerstandsfähiger Baustoff, der gegen Umwelteinflüsse resistent ist. Vor diesem Hintergrund trifft man die Entscheidung für ein vollständig keramisches Dach in der Regel nur einmal im Leben. Die vielfältige Auswahl an Farben, Formen und Zubehör eröffnet dabei großen individuellen Gestaltungsspielraum.

Welche Dachziegelarten gibt es? 

Dachziegel unterscheiden sich nach ihrer Formgebung und danach, ob sie einen Falz haben. Die folgende Übersicht zeigt die gebräuchlichen Arten und ihre Bezeichnungen.

Formgebungohne Falzmit Falz
Strangdachziegel (Strangpresse)Biberschwanzdachziegel, HohlpfanneStrangfalzziegel u. ä. (seitlicher Überdeckungsbereich)
Pressdachziegel (Schlitten-oder Revolverpresse) Mönch und Nonne-Dachziegel, KrempziegelFalzziegel (Doppelmuldenfalzziegel, Reformpfanne u. ä.), Flachdachziegel, Verschiebeziegel, Großflächenziegel (Kopf- und Seitenverfalzung)

Wie entsteht die Farbe eines Dachziegels? 

Die Besonderheit bei Dachziegeln liegt in der Farbe, die beim Brand entsteht. Jeder einzelne Ziegel trägt dabei einzigartige Farbnuancen. Farbkennungssysteme wie die RAL-Farbmusterkarte sind daher nur als Grundorientierung anwendbar. Beton-, Blech- und Kunststoffpfannen erhalten dagegen monochrome Kunststoffüberzüge und lassen sich einem festen Farbwert zuordnen.

Wer sich eine weitgehend gleichmäßige Farbgebung wünscht, lässt die Ziegel aus einer Charge entnehmen oder die Paletten einer Charge mischen. Dieses Vorgehen wird auch in der Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks vorgeschlagen.

Welche Möglichkeiten der Farbgestaltung gibt es?

Bei Dachziegeln werden fünf Grundarten der Farbgestaltung unterschieden:

  • Naturfarben: Die Farbe entsteht allein durch die Metallanteile des Tons. Eisenhydroxide brennen zu kräftigem Rot, ein hoher Mangananteil ergibt Dunkelbraun, ein geringer Eisen- oder höherer Kalkanteil Hellgelb.
  • Durchgefärbt: Metalloxide oder Minerale werden der Ausgangsmasse beigemischt, etwa Manganit für Dunkelbraun oder Magnesit für Hellrot.
  • Engobiert: Ein matter Überzug aus Tonschlämme wird vor dem Brennen aufgetragen. Er verändert die Oberflächenfarbe und erzielt eine gleichfarbige Dachfläche, ohne die übrigen Eigenschaften zu beeinflussen.
  • Glasiert: Ein harter, glasartiger Überzug dichtet die Oberfläche ab und wird gemeinsam mit dem Ziegel gebrannt. Zusätzlich wirkt der Lichtreflex.
  • Gedämpft: Sauerstoffentzug im Ofen reduziert das Eisenoxid im Ton zu Eisenoxidul. Der Scherben färbt sich dadurch überwiegend graublau.

Woran erkennt man geprüfte Qualität? 

In Deutschland hergestellte Dachziegel müssen der europäischen Produktnorm DIN EN 1304 entsprechen. Deren Produktanforderungen betreffen die Frostwiderstandsfähigkeit, die Wasserundurchlässigkeit und die Biegetragfähigkeit. Hinzu kommen Vorgaben zu geometrischen Kennwerten, Struktureigenschaften, zur Abgabe gefährlicher Substanzen und zum Brandverhalten. Die Übereinstimmung mit diesen Eigenschaften wird über die Leistungserklärung in der CE-Kennzeichnung deklariert.

Über die Norm hinaus lassen die Hersteller ihre Dachziegel freiwillig fremdüberwachen. Eine unabhängige Überwachungsstelle wie der Güteschutz Ziegel e. V. bewertet dabei die werkseigene Produktionskontrolle, prüft die Produkte und gleicht das Ergebnis mit den vom Hersteller deklarierten Leistungen ab.

Verlegt werden Dachziegel nach den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks und den Vorschriften der Hersteller. Auf dieser Grundlage hergestellte Ziegeldächer gelten als regensicher. Wie lange ein Ziegeldach hält, hängt daneben von einer sachgerechten Planung, der regelgerechten Ausführung durch einen Fachbetrieb und einer verantwortungsbewussten Instandhaltung ab.

Was ist das Dachziegelarchiv? 

Das Dachziegelarchiv sammelt Informationen zu historischen Dachziegelmodellen, zu historischen und aktuellen Herstellern sowie Empfehlungen für Ersatzziegel und Händler historischer Dachziegel. Es richtet sich an Denkmalpfleger und an Planer und Handwerker, die in der Denkmalpflege tätig sind.