Energie & Dekarbonisierung

Unsere ökologische Verantwortung.

Der Weg zur Klimaneutralität der Ziegelindustrie in Deutschland

Wie wird die Ziegelindustrie klimaneutral? Unsere Ziegel-Roadmap zeigt konkrete Maßnahmen, Technologien, Kosten und politische Herausforderungen bis 2050. Jetzt informieren.

Inhalt der Ziegel-Roadmap zur Klimaneutralität

 

Ausgangspunkt und historische Entwicklung der CO₂-Emissionen 

Als Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie haben wir bereits in 2021 eine „Roadmap für eine treibhausgasneutrale Ziegelindustrie in Deutschland“ veröffentlicht.  Damit war die Ziegelindustrie ihrer Zeit voraus. In unserer Roadmap wurde das Jahr 2020 als Basis für alle Pfade zugrunde gelegt. Die Treibhausgasemissionen der deutschen Ziegelindustrie betragen demnach rund 1,74 Mio. t CO2 im Jahr, ermittelt anhand des Durchschnitts der Jahre 2014 bis 2018. Diese Jahresemission kann nicht eins zu eins mit früheren Angaben z. B. des Verbandes seit 1990 oder 2005 in Bezug gesetzt werden. Näherungsweise ist dies jedoch möglich, wenn einigen spezifischen Umständen Rechnung getragen wird: In älteren statistischen Daten sind nur die Energieverbräuche und deren Emissionen erfasst, nicht die Prozessemissionen aus den Rohstoffen. Diese müssen geschätzt werden. Die Zahl der Anlagen hat sich deutlich verändert. Seit den 90er-Jahren sind zudem bereits in den bestehenden Anlagen starke Modifikationen des Brennstoffmixes umgesetzt worden (Umstellung auf Erdgas) und die Emissionen der Branche in der Folge stark gesunken. Die Produktion von hochporosierten Hintermauerziegeln hat zu einem verstärkten Porosierungsmitteleinsatz ab ca. 1995 geführt. Der Bundesverband Ziegel schätzt die Emissionen von 1990 bei gleichem Scope wie diese Roadmap auf 2,9 Mio. t CO2 /a. Dies macht deutlich, dass bereits der hier als Ausgangsniveau ermittelte Wert von rund 1,74 Mio. t CO2 /a einen erheblichen Emissionsrückgang von 40 % im Vergleich zu 1990 darstellt und die Ziegelindustrie somit im Ergebnis bereits relevant zur Erreichung von Klimaschutzzielen beigetragen hat.

Welche Transformationspfade zur Klimaneutralität zeigt die Ziegelindustrie?

In Pfad 1, dem Referenzpfad, werden keine expliziten Minderungsmaßnahmen umgesetzt, die über auch heute übliche Maßnahmen mit Steigerung der Energieeffizienz hinausgehen. Hier wird also von einem business as usual ausgegangen, um einen Vergleichswert für die weiteren Pfade zu berechnen. Bereits heute bekannte Rahmenbedingungen wie z. B. die angenommene Entwicklung des Emissionsfaktors im deutschen Stromnetz fließen auch in diesen Pfad mit ein. Die Pfade 2 und 3 unterscheiden sich grundlegend vom Referenzpfad, da hier die Auswirkungen konkreter Minderungsmaßnahmen in den Werken modelliert werden. In Pfad 2, dem Technologiepfad, ist dafür jährlich ein Investitionsbudget festgelegt, das für einen ehrgeizigen und ambitionierten Minderungskurs der Ziegelindustrie steht. Im Klimaneutralitätspfad (Pfad 3) wird dann auf eine solche Beschränkung verzichtet. Hier wird die Minderung der Emissionen auf null erzwungen und bestimmt, welches jährliche Investitionsbudget dafür notwendig ist.

Welche Ergebnisse liefert die Roadmap zur CO₂-Reduktion der Ziegelindustrie?

Bereits im Referenzpfad sind spürbare Emissionsrückgänge zu verzeichnen, die jedoch trotz weiterer Fortschritte deutlich nicht ausreichen, um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen. Im Technologiepfad gelingt es dagegen, bereits bis 2030 die Emissionen auf rund 1,1 Mio. t CO2 /a und damit stark zu reduzieren und dem Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 mit dann noch rund 0,5 Mio. t CO2 /a deutlich näher zu kommen. Das Ziel der Treibhausgasneutralität wird schließlich im entsprechenden Pfad erreicht, jedoch unter Inkaufnahme hoher Kosten. Die Ziegelindustrie verfügt über verschiedene Handlungsoptionen, um Emissionen zu reduzieren. Unter den der Roadmap zugrunde liegenden Annahmen kristallisieren sich einige Maßnahmen heraus, die die Transformation der Ziegelindustrie maßgeblich bestimmen. Da Änderungen bei bestimmten Einflussfaktoren erhebliche Auswirkungen auf die Vermeidungskosten einzelner Maßnahmen haben können, sind möglichst stabile (politische) Rahmenbedingungen Voraussetzungen für eine kosteneffiziente Transformation.

  • Entkopplung des Ofen-Trockner-Verbunds 
  • Einsatz von Hochtemperaturwärmepumpen
  • wasserstoffbefeuerte Öfen 
  • elektrische Öfen
  • Einsatz biogener Porosierungsmittel 

Darüber hinaus kommen noch eine Vielzahl an Optimierungsmaßnahmen zum Tragen, die entweder direkt den Energieeinsatz reduzieren oder durch verringerten Material- bedarf die Prozessemissionen mindern und gegebenenfalls darüber hinaus auch den Energiebedarf senken. Des Weiteren ist der Einsatz von alternativen Tonen ohne fossilen Kohlenstoff, also kalkfreien Tonen, derzeit die einzig denkbare Alternative zur vollständigen Reduktion der Prozessemissionen.

Wie weit ist die Transformation zur klimaneutralen Ziegelindustrie heute?

Die Ziegelindustrie arbeitet mit Hochdruck an der Transformation ihrer Produktion. Im Zentrum stehen dabei konkrete technologische Alternativen zum bisherigen Einsatz von Erdgas, die bereits in ersten Projekten erprobt werden. Dazu zählen etwa die Holzvergasung unter Nutzung von kalamitätsgeschädigtem Holz, die energetische Verwertung von Abfällen durch Synthetisierung, die Umstellung auf Wasserstoff sowie Ansätze zur Elektrifizierung der Brennprozesse. Diese Entwicklungen sind technisch anspruchsvoll, greifen teils tief in bestehende Produktionsprozesse ein und erfordern erhebliche Investitionen in Infrastruktur und Anlagen.

Gleichzeitig bewegen sich diese Innovationsvorhaben in einem Umfeld hoher Unsicherheit. Wirtschaftliche Risiken, volatile Energiepreise und fehlende politische Planungssicherheit stellen Unternehmen vor strategische Zielkonflikte. Hinzu kommt eine Genehmigungspraxis, die häufig langwierig, kostenintensiv und im Ausgang nicht verlässlich kalkulierbar ist. Gerade bei Pilot- und Demonstrationsprojekten wird damit unternehmerischer Mut zur zentralen Voraussetzung für Fortschritt.

Welche politischen Rahmenbedingungen braucht die Ziegelindustrie für Klimaneutralität?

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass technologische Innovationsbereitschaft allein nicht ausreicht. Erforderlich ist neben einem Markt, der klimaneutrale Produkte nachfragt ein regulatorisches Umfeld, das Entwicklungsschritte ermöglicht, anstatt sie auszubremsen. Schnellere Verfahren, klare Rahmenbedingungen und eine gezielte Förderung von Pilotprojekten würden die notwendige Skalierung alternativer Produktionsverfahren erheblich beschleunigen. Ohne diesen strukturellen Rückenwind – sowie die Unterstützung von Genehmigungsbehörden - droht die Transformation hinter ihren technischen Möglichkeiten zurückzubleiben.