Ziegelherstellung

Der Weg des Ziegels.

Der Weg der Ziegelproduktion

Produktionsschritte auf einen Blick

Ziegel sind seit Jahrhunderten ein bewährtes Baumaterial, doch die heutige Produktion von Vormauer-, Hintermauer-, und Dachziegeln sowie Pflasterklinkern geht weit über Tradition hinaus. Ressourceneffizienz, Recycling und innovative Technologien machen den Baustoff Ziegel zu einem Gestalter des nachhaltigen Bauens. 

1. Rohstoffgewinnung

Der Ton wird oberflächennah in zumeist werkseigenen Gruben im Tagebau abgebaut. Zur besseren Durchmischung wird der Ton in dünnen Schichten abgetragen. Ergänzend wird heute auch Aushubmaterial von Großprojekten wie Tunnel- oder U-Bahn-Bauten auf „Verzieglung“ – also der Möglichkeit, es zur Ziegelproduktion zu nutzen, geprüft. Nach qualitativer Sortierung sowie keramischen Tests kann dieses oft ebenfalls zur Ziegelproduktion verwendet werden. 

2. Aufbereitung

In speziellen Anlagen wird der Ton zerkleinert und mit Sand, Wasser und recyceltem Ziegelmehl aus Produktionsausschuss vermischt. Letzteres magert den Ton. Mithilfe von Kollergängen und Walzwerken wird die Mischung auf die gewünschte Korngröße gebracht. Über sogenannte Förderbeschicker wird die Masse ins Sumpfhaus transportiert.

3. Lagerung und Mischung

Das Ton-Sand-Gemisch wird im Sumpfhaus gelagert und während der Einlagerung sowie bei der Entnahme durch diagonale Förderung gleichmäßig durchmischt. Diese Methode stellt sicher, dass die Tonmasse eine konstant hohe Qualität aufweist.

4. Formgebung

Die aufbereitete Tonmasse wird in einer Strangpresse entlüftet und zu einem Endlosstrang geformt, der anschließend mit Drahtabschneidern in Rohlinge, die sogenannten „Grünlinge“, geschnitten wird. Zur Verbesserung der Wärmedämmung werden nun beim Hintermauerziegel Porosierungsstoffe wie Sägemehl hinzugefügt, die beim Brennen Luftporen hinterlassen. Für Klinker können Oberflächen durch Sandbestrahlung oder Profilierung gestaltet werden.

Generell ist sowohl bei den Verblendern als auch bei den Hintermauerziegeln ein Trend zur Dematerialisierung zu beobachten. Das bedeutet, dass die Steine ein exakt berechnetes Lochbild aufweisen, um die Materialeigenschaften zu verbessern und selbiges einzusparen. 

5. Trocknung

Vor dem Brennen wird der Wassergehalt der „Grünlinge“ in Trockenkammern oder Durchlauftrocknern reduziert. Hierbei kommt i.d.R. Abwärme aus den Brennöfen zum Einsatz, ergänzt durch erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft.

6. Engobieren | Glasieren

Nach dem Trocknen werden Dachziegel mit einer Engobe oder Glasur beschichtet. So wird die Oberfläche veredelt und es kann eine unendliche Farbvielfalt herstellt werden.

7. Brennen

Die Ziegel werden in einem platzsparenden Setzschema in Tunnelöfen bei Temperaturen von 900 bis 1200 °C gebrannt. Neben der Nutzung von Erdgas experimentieren Werke mit innovativen Ansätzen wie grünem Wasserstoff, Strom, oder Holzvergasern, um den Prozess bis 2045 zu dekarbonisieren. 

8. Nachbearbeitung, Füllung und Recycling

Für spezielle Ziegel wie großformatige Hintermauerziegel (HMz) werden die Lochkammern mit Dämmstoffen wie Perlite, Mineralwolle oder Holzfaser verfüllt. Diese Füllungen sind nicht verklebt, sondern haften durch Reibung. Sie verbessern Wärmedämmung, Schalldämmung und Nachhaltigkeit. Planziegel werden nach dem Brennen planschleifend bearbeitet, um exakte Maße zu gewährleisten. Dabei entstehender Ziegelstaub wird gesammelt und wieder der Rohtonmasse zugeführt. Neben der Rückführung in den Produktionskreislauf finden Ziegelreste auch außerhalb des Kreislaufs Verwendung, etwa als RC-Gesteinskörnung im Straßenbau, für Tennflächen (also z.B. Tennisplätz) oder als Vegetationssubstrat (auch für z.B. Dachbegrünung).

9. Einsatz auf der Baustelle: Ressourcenschonung im Blick

Der Hintermauerziegel wird heute in der Regel mit Dünnbettmörtel in der Setzfuge vermauert. Die so gemauerte Wandkonstruktion minimiert Kältebrücken, erleichtert den Rückbau und schont Ressourcen. Die Stoßfugen werden durch das Nut- und Federprofil der Steine mörtellos geschlossen. Zusätzlich ermöglichen Modulwände und Ziegelfertigteile eine ressourceneffiziente, vorgefertigte Bauweise, die Zeit und Material spart. Solardachziegel vereinen ihrerseits die Funktionen eines Schutzdachs mit der Energieerzeugung und leisten damit einen Beitrag zur Energiewende.

10. Renaturierung

Nach dem Tonabbau werden die Gruben renaturiert und zu Biotopen für Tiere und Pflanzen umgestaltet. Einige Ziegelwerke produzieren auf den renaturierten Flächen sogar ihren einigen Honig. Dies zeigt: So entsteht aus genutzter Fläche ein ökologisch wertvoller Lebensraum.