Der Dreiklang der Nachhaltigkeit
Nachhaltige Gebäude sind Bauwerke, die dem ganzheitlichen, performance-orientierten Leitprinzip des nachhaltigen Bauens folgend einen hohen Bewertungsgrad bei einer Zertifizierung erreichen. Dabei geht es nicht allein um die Bewertung von ökologischen Aspekten, sondern gleichermaßen um die Beurteilung von ökonomischen und sozio-kulturellen Kriterien. Man spricht in diesem Zusammenhang häufig vom Dreiklang der Nachhaltigkeit. Eine solche Gebäude-Bewertung erfolgt in Deutschland mit einem der anerkannten Nachhaltigkeitsbewertungssysteme, wie z. B. dem DGNB- oder dem BNK/BNG-System.
Ökobilanzierung
Die ökologische Qualität stellt die erste Säule im Nachhaltigkeitsdreiklang dar. Sie ist ein Instrument, um auf Gebäudeebene die Auswirkungen eines Bauwerkes auf die lokale und globale Umwelt zu ermitteln. Berechnet werden damit Umweltwirkungen wie das Global Warming Potential (GWP) oder das Abbaupotenzial der stratosphärischen Ozonschicht (POCP), etc. Die ökologische Bilanzierung – bisher nur als freiwillige Zusatzberechnung in Planungsprozessen erforderlich, wenn ein NH-Zertifikat oder eine Neubauförderung angestrebt wird – wird zukünftig für alle Neubauten zur Pflicht und zählt damit fortan zu einem wichtigen, unumgänglichen Planungsparameter. Ökobilanzen von Wohngebäuden (vgl. LCEE-Studien) sowie NH-Zertifikate nach dem BNK/BNG-System (vgl. die Studie „Nachhaltigkeit im Praxis-Check – Das kann die monolithische Bauweise wirklich!“ im Mauerwerk-Kalender 2025) bescheinigen Gebäuden in Ziegelbauweise eine gute bis sehr gute Umweltverträglichkeit.
Lebenszykluskosten
Die ökonomische Qualität stellt die Säule Nr.2 im Nachhaltigkeitsdreiklang dar. Sie gibt Auskunft über wirtschaftliche Aspekte im Gebäudelebenszyklus, welche über die reine Darstellung von Baukosten hinausgehen. Hier werden die Lebenszykluskosten eines Gebäudes dargestellt, welche zusätzlich einen Überblick über Kosten in der Gebäudenutzungsphase geben und somit im Hinblick auf die langfristig wertstabilen Vorteile eines Gebäudes eine hohe Aussagekraft besitzen. Zu den Nutzungskosten eines Gebäudes zählen neben den jährlich wiederkehrenden Kosten für den Gebäudebetrieb auch Kosten für die Wartung und Instandhaltung der Baukonstruktionen sowie der gebäudetechnischen Anlagen. Ziegelprodukte schaffen durch ihre nachweislich lange technische Nutzungsdauer (vgl. FIW-Kurzstudie „Anteil der Ziegelgebäude über die Baualtersklassen des deutschen Gebäudebestands“ und INTEP-Studie „Langlebigkeitsbonus für Ziegelmauerwerk“) und ihre hervorragenden feuchte- und wärmespeichernden Eigenschaften (vgl. Studie der TU Kaiserslautern zum Wärmespeicherfähigkeitsindex) eine solide Basis für niedrige Kosten im Gebäudelebenszyklus.
Sozio-Kulturelles
Die dritte und letzte Säule im Nachhaltigkeitsdreiklang ist die der sozio-kulturellen Qualität. Hierbei geht es um den Gebäudenutzer und dessen Zufriedenheit bzw. Wohlbefinden im Gebäudeinneren. Ein auch in sozio-kultureller Hinsicht nachhaltig ausgestattetes Gebäude ist wohngesund und leistet einen hohen Beitrag zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Gebäudenutzers. Besonders Baumaterialien, die nach gängigen Regularien als schadstoffarm bzw. -frei eingestuft werden können, kommen hier zum Einsatz und müssen bewertet und dokumentiert werden (vgl. Muster-Herstellererklärungen nach QNG-Schadstofftabelle). Messungen der Innenraumlufthygiene können zusätzlich durchgeführt werden und liefern den eindeutigen Beweis für ein wohngesundes Gebäude. In mit Ziegeln errichteten Gebäuden ergaben solche Messungen gute bis sehr gute Werte und bescheinigen der Ziegelbauweise somit eine gute Innenraumlufthygiene (vgl. Sonderdruck „Schadstoffe in Baumaterialien – Ziegelprodukte im Praxischeck“, nbau 04/2025).
Circular Economy
Oberstes Ziel des Recyclings ist es, so wenig Primärrohstoffe wie möglich zu nutzen. Bei Ziegeln gelingt das auf mehreren Wegen: durch den Einsatz von Aushubmassen als Rohstoff, durch die Rückführung von Produktionsresten, durch die Wiederverwendung rückgebauter Ziegel und durch die Weiterverwertung von Ziegelbruch.
Woher kommen die Rohstoffe für Ziegel?
Ziegel bestehen überwiegend aus Ton und Lehm. Diese Rohstoffe stammen nicht nur aus den Gruben der Hersteller, sondern fallen auch bei Baumaßnahmen im Erdbau an, etwa auf Bahn- oder Autobahnbaustellen. Werden geeignete Aushubmassen aus solchen Vorhaben verwendet, muss entsprechend weniger Material aus der Grube entnommen werden, und der Aushub wird verwertet, statt deponiert zu werden.
Was passiert mit Resten aus der Ziegelproduktion?
Ziegelhersteller führen überschüssige Masse, fehlerhafte Rohlinge, Planschleifstaub und aufgemahlenen Ziegelbruch in die Produktion zurück und ersetzen so einen Teil der Primärrohstoffe. Daraus entstehen wieder neue Ziegel. Auch Verschnitt und Rückläufer können sortengerecht aufbereitet und in der Ziegelproduktion eingesetzt werden.
Lassen sich gebrauchte Ziegel wiederverwenden?
Ja. Werden Ziegelgebäude nach langer Nutzungsdauer rückgebaut, lassen sich bereits genutzte Klinker gut für eine Wiederverwendung aufbereiten und in einem neuen Gebäude erneut einsetzen, insbesondere wenn sie mit Kalkmörtel vermauert wurden. Gleiches gilt für rückgebaute Dachziegel. Ein wachsender Markt für wieder verwendbare Baustoffe zeigt, dass dieser Weg künftig an Bedeutung gewinnt.
Was geschieht mit Ziegelbruch aus dem Rückbau?
Ist eine zerstörungsfreie Entnahme nicht möglich oder handelt es sich um Baurestmassen, kann das Material sortengerecht aufbereitet und weiterverwendet werden, zum Beispiel als Pflanzsubstrat auf Dächern und in Grünanlagen oder für Tennisplätze. Auch für das stadtplanerische Konzept der „Schwammstadt“ gewinnt diese Verwertung an Bedeutung. Die Idee dahinter: Regenwasser soll möglichst dort aufgenommen und gespeichert werden, wo es anfällt. Dabei kommt die Feuchtespeicherfähigkeit des Ziegels zum Tragen.
Wie hilft Ziegelmehl bei der Zementherstellung?
Das größte Einsparpotenzial liegt in der Verwendung von Ziegelmehl in der Zementproduktion. Bei der Zementherstellung entstehen prozessbedingte Emissionen, die sich durch die Zugabe von Ziegelmehl reduzieren lassen. Laut der Ziegel-Roadmap zur Ressourceneffizienz (2024) ist so eine Einsparung von bis zu 50.000 t CO₂-Äquivalenten pro Jahr möglich.
Recyclingkarte
Damit Bauherren wissen, welche Unternehmen in ihrer Region für die Annahme von ziegelreichen Abfällen spezialisiert sind, hat der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie gemeinsam mit der Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe eine interaktive Karte mit deutschlandweiten Annahmestellen veröffentlicht. Auf der Karte finden sich zudem Unternehmen (sogenannte Veredler), die den Ziegelbruch zu Produkten wie Substrate für die Dachbegrünung, Schotterrasen, GaLaBau-Erden, RC-Baustoffe für den Wegebau und Gesteinskörnungen für den Tennendeckenbau weiter verarbeiten.